Allgemeine Zeitung vom 06.10.08 von Björn-Christian Schüßler  

Respekt und Zuneigung

Ökumenischer Gottesdienst mit Tiersegnung in der Josefskapelle

Ganz im Zeichen des Zusammenlebens von Mensch und Tier stand der ökumenische Gottesdienst der evangelischen und katholischen Altenheimseelsorge in der Josefskapelle am Wochenende.

So durften auch Hunde des "tierischen" Besuchsdienstes und manch anderer vierbeiniger Begleiter mit in die Kapelle. Das Psalm-Wort "Alles, was Odem hat, lobe den Herrn" galt dabei anlässlich des Welttierschutztags auch den anwesenden Tieren.

Pfarrerin Heidemarie Beier und Pfarrer Bruno Knapp gingen während ihrer Predigt und auch in den Fürbitten immer wieder auf die Tiere und ihren Lebensraum in der Menschenwelt ein. "So beten wir am Tag des Heiligen Franziskus für alle Tiere, Tierfreunde, Altenheimbewohner, für die Hunde, die den Bewohnern so viel Freude machen, wenn sie zu Besuch kommen, und für manche Vögelein und zwei Katzen", führte Beier die Bitten aus. Auch einige Hühner, die von den Bewohnern sehr geschätzt und liebevoll gepflegt werden, schlossen sie in ihr Gebet ein.

Ähnlich wie der Heilige Franziskus und Albert Schweitzer nehmen auch viele ältere Menschen Haustiere als wichtigen Teil ihrer Familie und ihres Lebens wahr. Die Menschen begeben sich gegenüber den Tieren auf Augenhöhe, behandeln sie mit Respekt und Zuneigung. Hunde und Katzen werden zu Gefährten, die ebenso wie die Menschen einen Namen tragen und ihr Recht auf Lebensraum und Aufmerksamkeit genießen sollten. "Es gibt noch mehr Stimmen als nur die menschliche, die Gott loben wollen", resümierte Pfarrerin Beier. Fünf Hunde und ein Meerschweinchen nahmen den Segen mit Wasser aus dem Jordan von Pfarrer Knapp entgegen.

Ebenso wichtig war in diesem Gottesdienst auch der Atem der kleinen Elisabeth Manila. Mit einem kleinen Fischanhänger und feierlichem Taufritual wurde das Baby in die christliche Gemeinschaft aufgenommen.

 
Allgemeine Zeitung vom 06.06.08 von Janina Plato

Nachwuchs im Altenheim

Küken im Hühnerstall in Altenauergasse / Für Bewohner wie Kino

Das Mainzer Altenheim hat erstmals Nachwuchs - sieben Küken haben das Licht der Welt erblickt. Seit 2005 steht im Garten der Wohnanlage in der Altenauergasse ein Hühnergehege mit 16 Hennen verschiedener Rassen und dem Hahn Konstantin. "Irgendwann im Frühjahr bleiben die Hühner auf ihren Eiern sitzen und versuchen sie auszubrüten. Diesmal haben wir einem japanischen Seidenhuhn insgesamt elf Eier untergelegt und sie hat sie tatsächlich angenommen", beschreibt Pflegedienstleiter Willi Müller den Beginn des kleinen Wunders. 21 Tage lang saß die Henne auf den Eiern, wobei die einen braun, die anderen weiß und manche auch grün waren.

"Wir wissen also nicht, welches Küken zu welcher Henne gehört", erklärt Sebastian Hollmann, ehemaliger Zivildienstleistender und jetzt Betreuer des Hühnerstalls. Und tatsächlich sind die sieben geschlüpften Küken genauso bunt wie die Eier aus denen sie stammen. Ein Braunes ist dabei, drei Gelbe, zwei Schwarze und auch ein Graues. "Die anderen vier Eier waren wohl nicht befruchtet. Unser Konstantin ist etwas überfordert mit seinen 16 Hennen", lacht Müller.

Das große Ereignis im Altenheim lockt viele Bewohner aus ihren Zimmern. "Tiere allgemein haben eine große therapeutische Wirkung. Die Menschen werden an früher erinnert und können sich beim Beobachten gut entspannen", beschreibt Anna Brack vom Sozialen Dienst den Sinn des Geheges. "Die Menschen kommen aus ihrer Isolation heraus und haben eine Beschäftigung. Ein solcher Hühnerstall ist wie ein lebendiges Kino", erklärt Brack. Rund um den Stall sind Stühle aufgebaut und sie sind meist alle besetzt. "Viele kommen täglich und geben uns Tipps zu Futter und Pflege", verdeutlicht Müller die Bedeutung der Tiere für die Bewohner. Werden die Eier nicht ausgebrütet, verwendet sie der Soziale Dienst für Rühreier oder Kuchen und manchmal werden sie auch als Dankeschön verschenkt.